Dolomiten

 

Auszeit in den Bergen

Wenn mir als Teenager jemand gesagt hätte das ich in ein paar Jahren gerne wandern gehe, hätte ich demjenigen mit Sicherheit einen Vogel gezeigt. Schon 2016 in Australien hatte ich Spaß an kleineren Tracks, in Neuseeland lernte ich es dann lieben. Neben dem reiten ist es die schönste Art die Landschaft zu erkunden. Das Gefühl wenn man oben am Gipfel angekommen ist, einfach unbeschreiblich. Man sieht Landschaften die man sonst nur auf Bildern sehen würde. Liebes Teenager-Ich, Ja ich wandere jetzt gerne!

Nachdem ich jetzt schon ein paar Monate wieder in Deutschland war kam der Gedanke immer mehr auf in die Berge zu fahren und wandern zu gehen. Am meisten Spaß macht das natürlich mit Freunden… Gesagt, geplant, getan!

Das Wochenende stand kurz bevor und irgendwie war das Glück nicht auf unserer Seite. Es gab für die Dolomiten Unwetterwarnungen und es sollte das ganze Wochenende regnen. Absagen? Verschieben? Wir wussten wenn wir es jetzt verschieben wird es vor dem nächsten Jahr nichts mehr werden. Also fuhren wir. Wir starteten mitten in der Nacht, unser erstes Ziel war der Eibsee.

Gegen späten Nachmittag erreichten wir dann unsere Pension in Bruneck wo wir noch schöne Spätsommerliche Temperaturen bei leckerem italienischen Essen genießen konnten. Der Wetterbericht besserte sich leider nicht, aber da für unsere Region keine Gewitter gemeldet waren entschieden wir es durchzuziehen. Am Morgen machten wir noch einen Abstecher zum Lago di Braies (Pragser Wildsee) und umrundeten ihn trotz Nieselregen einmal.

Wir parkten auf dem Parkplatz der Fischleinbodenhütte um von hier unsere dreitägige Hüttenwanderung zu starten. Unser erstes Ziel die Zigmondyhütte.

Als wir starteten war es noch trocken, dann zog es immer mehr zu und es fing an zu regnen. Versuche mal Leuten die das erste mal richtig wandern, das wandern bei Regen schmackhaft zu machen. Der einzige Vorteil war das wir nur ein mal auf andere Wanderer trafen. Viel Aussicht konnten wir leider auch nicht genießen, man konnte kaum was sehen. Kurz vor der Hütte riss dann plötzlich die Wolkendecke auf und der Regen und die nassen Sachen waren auf einmal total nebensächlich.

Ein weiterer Vorteil bei schlechter Wettermeldung: Es waren kaum Leute auf der Hütte und wir hatten unser Bettenladen sogar komplett für uns.

Was wir schnell lernten: In den Bergen muss man flexibel bleiben. In der Nacht donnerte es und doch hatten wir das Glück am nächsten Morgen etwas blauen Himmel zu sehen. Auf der Hütte gab man uns den Rat bis spätestens frühen Nachmittag auf der nächsten Hütte zu sein das ein weiteres Unwetter aufzog. Wir entschieden uns die lange Distanz gegen die kürzere Alternative zu tauschen. Bis auf einen fünfminütigen Hagelschauer hatten wir unerwarteter weise richtig Glück mit dem Wetter! Unser Timing war auch nahezu perfekt, wir sahen schon unsere nächste Hütte als das Wetter schlagartig umschlug und wurden nicht allzu nass. Den Nachmittag verbrachten wir dann auf der Hütte, mit heißer Schokolade und Kartenspielen.

Am nächsten Morgen dann die Überraschung: Strahlender Sonnenschein und 10cm Neuschnee! Wie lange ich keinen richtigen Schnee gesehen hatte, wie kleine Kinder hüpften wir glücklich durch den Schnee, schleckten an Eiszapfen und bekamen uns gar nicht mehr ein. Wir genossen den Schnee bis zu dem Moment als wir über dem Pass bis zu den Knien im Schnee versanken und Schneeverwehungen kalt in unsere Gesichter schlugen. Zum Glück war die Drei Zinnenhütte nicht mehr weit weg und wir konnten uns dort bei einer Tasse Tee aufwärmen. Nun begann schon der Abstieg und um so weiter wir ins Tal kamen, umso grüner wurde es wieder und die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Was für ein schönes Wochenende. Ich freue mich schon auf das Nächste!